AfD – Der neue Rassismus in Deutschland?

von Tina Wiegand

AfD und der Rassismus

Die AfD ist auf dem Vormarsch und das wird dem Rassismus Tür und Tor öffenen. Rassismus finden wir alle schlecht. Rassismus wollen wir nicht und dürfen wir nicht wollen, da sind wir uns alle einig. Was dabei leicht vergessen wird ist, dass viele von denen, die das Anti-Rassismus Lied solidarisch mitsingen, noch nie näheren Kontakt mit anderen Rassen hatten und ihr Wissen bestenfalls aus dem Fernsehen beziehen. Wer schon mal als Fremder in einem anderen Land gelebt hat, der weiß, dass der Umgang mit anderen Mems, also Wertewelten anderer Rassen, manchmal gar nicht so einfach ist. Wer als Fremder in einem fremden Land seine Erfahrungen gemacht hat, wird vielleicht eher Verständnis haben, weil er selbst auf die Nase gefallen ist und sich daneben benommen hat. Hier eine kleine Story über ein absolutes Chaos als Beispiel, das mir vor vielen Jahren widerfahren ist und in dem es nur um Mentalitäts- und nicht einmal Rassenunterschiede ging.

 Feminismus und das Frauenbild fremder Rassen

Mich hat die Geschichte eines Vereinsmitgliedes über eine Übernachtung in einem Massaidorf nachhaltig beeindruckt. Da standen Speere vor den Hütten der Frauen, die den Gästen als Gastgeschenk zur Verfügung gestellt wurden. Für die Massai ist es eine Geste der Freundlichkeit, Frauen auszutauschen. Diese Freundlichkeit sollte auf Gegenseitigkeit beruhen, versteht sich. Da dürften britische, burische oder deutsche Frauen jedoch recht schnell an ihre Toleranzgrenze stoßen. Wenn fremde Höflichkeitsrituale mit ihrem Körper zu tun haben, ist Schicht im Schacht. Kaum eine moderne Frau würde die Priorität der Selbstbestimmung über ihren Körper dem Verständnis für die fremde Mentalität opfern. Man stelle sich die Aussage einer Frau vor: „Oh, natürlich, heute bin ich gerne Gastgeschenk…“? Wohl kaum! Was also tun, wenn man vor Ort nicht den Ärger eines kriegerischen Stammes auf sich ziehen will? Feminismus und das Frauenbild fremder Rassen beissen sich zeitweise energisch und bis so ein Stamm umerzogen ist, könnte es etwas dauern. Sind also alle Feministinnen Rassistinnen? Spätestens hier dürften wir ins Werte-Gehege kommen.

 Die gute alte Religion

Wenn jemand mit verschleierten Frauen aufgewachsen ist, dann ist unser westlicher Umgang mit der Weiblichkeit für ihn nicht nachvollziehbar. Überall stehen Sahnetorten auf dem Tisch, aber man darf nichts abbeißen… Das ist doch nicht logisch. Also nimmt man dass offensichtliche Angebot einfach an.
Da, wo Warlords in kleinen Gruppen gegeneinander kämpfen, verhalten sich die Männer anders. Wenn jemand die Frau eines Warlords angreift, haut der dem Angreifer eine auf den Kopf und dann ist alles klar. Deutsche Männer dürfen einem anderen nicht einfach den Schädel spalten, weil ihre Frau bedrängelt wird. Bei uns ist der feminine Mann mit Maskara in zu engen Hosen und Hemden in. Wenn der sich kloppt, platzt die Hose! Wir sind nämlich auch alle gegen Gewalt und für den Frieden. Gegen jemanden, der Warlords gewöhnt ist, zieht die emanzipierte Frau eines friedvollen Feminimus also den Kürzeren, egal wie sehr sich alle empören. Die AfD will dafür sorgen, dass der deutsche Mann den anderen auch auf den Kopp hauen darf. Und wenn das nicht geht, soll der, der halbnackte Frauen anfasst, rausfliegen. Ist doch logisch. Das ist ganz einfach gestricktes Gerechtigkeitsempfinden. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Angesichts dieses Theaters ist es verständlich, wenn die verschleierten Frauen sich hüten, aus ihrer sicheren Versenkung aufzutauchen und sich auszuziehen.

Essen und Rassismus

In diplomatischen Kreisen herrscht eine strenge Etikette, damit die die Herren und Damen Diplomaten nicht un unlösbare Konflikte geraden. Seit Menschen Gedenken ist das Anbieten von Essen eine Friedensgeste. Derartige Friedensgesten finden in diplomatischen Kreisen, in denen die internationale Kommunikation angestrebt wird, sehr häufig statt. Die besten und typischsten Landesspeisen werden auf Festen angerichtet und den Gästen angeboten. Doch gerade hier kann es einige Schwierigkeiten geben, denn es ist gemeinhin der Gipfel der Unhöflichkeit, eine angebotene Nationalspeise abzulehnen. Damit würde man den Gastgeber zutiefst beleidigen. Aber was tun, wenn der  Häuptling eines äthiopischen Stammes dem Botschafter freudestrahlend das sautierte Auge eines Wildschweins als besondere Delikatesse kredenzt? Chinesen müssen an sich halten, wenn ihnen Käse serviert wird. Europäer freuen sich im Gegenzug nicht wirklich über hundertjährige Eier, die monatelang im Erdreich vergraben wurden, um zu fermentieren. Auch lebende Fischchen in der Suppe oder andere Leckerein können einen Gast an seine Belastungsgrenze bringen. Was machen da Veganer, Vegetarierer, Gluten-, Lactose- und weiß-der-Geier-gegen-was-noch-alles-Allergiker-und-das-esse-ich-niemals-Ernährungsfanatiker? Ihr Essverhalten wäre der absoltue Affront in den meisten Ländern dieser Welt. Diese Art der Esskultur könnte unter Umständen also sogar Kriege entfachen. Prost Mahlzeit!

New-World Religion

In Nepal werden kleine Mädchen zu lebenden Göttinnen stilisiert und von den Menschen angebetet. Der Brauch, die „Kumaris“ anzubeten wird von Buddhisten gleichermassen wie den Hindus gelebt. Wir können uns gerne vorstellen, wie es bei unserem Jugendschutz ankäme, wenn wir kleine lebende Göttinnen schminken und der Masse aussetzen würden. Wer nun mit Empörung reagiert, weil das Schicksal der armen Kinder nicht so ganz salonfähig ist, denkt darüber nach, dorthin zu reisen und den Leuten zu sagen, dass man das nicht tun darf. So haben unsere Kirchen mit ihrem Missionarischen Eifer auf die fremden Gebräuche in fremden Ländern reagiert. Mit der gleichen Empörung reagieren viele Moslems auf unsere, in ihrem Sinne, halbnackten Frauen. Was also tun?
Die Rettung stammt wie immer aus den erzchristlichen und vielerorts fundamentalistischen USA: Die Christen haben eine neue New-World Religion gegründet, eine globale „einer-für-alle-Religion“. Diese neue Religion, die für alle Menschen die richtige und einzig wahre ist, wird zur Not auch mit Kriegen etabliert. Das mit den Kumaris geht ja nicht, da sind wir uns einig. Ooops, sind wir dann doch für Krieg? Da müssen wir doch dagegen sein? Religionen fremder Rassen, unser Werteverständnis und die Rettungsaktionen der USA vertragen sich untereinander nicht, geschweige denn mit unseren Friedensabsichten.

Die Brutalität fremder Rassen

In vielen Stämmen ist Rassismus eine Frage des Überlebens, denn unterschiedliche Stämme sind bis heute aufs ärgste verfeindet und greifen sich gegenseitig sofort an. Die Brutalität anderer Rassen können wir uns zum Teil nicht einmal vorstellen. Nicht alle Naturvölker gehen entspannt mit Fremden um, auch wenn wir das in unserer naiven „Bio ist immer besser Sicht“ so beschlossen haben. Auch im asiatischen Raum herrschen andere Bedingungen vor als die, die wir mit unserem Bezugsrahmen erfassen können. Nehmen wir einfach nur die Art und Weise, wie in anderen Kulturen Tiere behandelt werden. Laut einem Gerücht heißt der Hundename „Chow-Chow“ auf chinesisch lecker, lecker…. Wir erleben dann unseren Tierschutz gestiefelt, gesport und bewaffnet bis an die Zähne. Sofort wird der Schlacht-Ruf laut, dass man mit den Tierquälern so umgehen sollte, wie die mit den Tieren umgehen. Tierschutz und der Umgang mit Tieren in fremden Kuturen beißt sich also auch.

Unromantische Realität

Es gibt da draußen etwas, das nennt sich Realität und die ist bei näherer Betrachtung oft sehr unromantisch. Die Mems anderer Kulturen beinhalten völlig andere Werte, die mit unseren nicht vereinbar sind. Wir können von unserem Moralthrönchen aus empören und schimpfen, aber in einer Kultur, die das Faustrecht anwendet, sind wir weit unterlegen – es sei denn, wir wenden Waffengewalt an, das Faustrecht der Techno-Staaten. Da, wo die monotheistischen Religionen genügend Macht haben, um  Selbstbeschränkung und Selbstbeherrschung zu predigen, findet eine Sittlichkeit statt, die Soddom und Gomorrha in ihre Schranken weist. Mann darf dann nicht mehr nur deswegen über Frauen herfallen, weil gerade Frühling ist, sonst kommt er in die Hölle. Auch das ist also nicht gewaltlos.
Wenn wir in unseren Breitengraden die Kirchen verurteilen, weil sie ihr Weltbild anderen Kulturen aufzwingen, werden die Schwächeren und die Frauen dieser Kulturen uns nicht unbedingt recht geben. Sie finden in der Kirche oft die letzte Zuflucht. Aber ja, der neue Glaube zerstört ihre Kultur. Gut oder schlecht?
Vielleicht sollten wir uns einfach mit der ewigen Bewertung zurückhalten und verstehen, dass es nicht nur unsere Sicht der Dinge auf die Welt gibt. Vor dem Hintergrund dieser tiefen Verschiedenheiten müssen wir vielleicht einsehen, dass auch unsere Vorstellung von Frieden und Gewaltfreiheit keinen Durchsatz finden – es sei denn, wir zwingen den Widerspenstigen anderen Rassen unsere Vorstellungen auf – mit Gewalt. In dieser Sache könnten wir paradoxer nicht sein.

Krieg, Bescheidenheit und Brez’n

Da, wo wir sind, gibt es keine Löwen, keine Stammesriten, keine Warlords und keine Übergriffe auf Frauen, die durch Religion eingedämmt werden müssten. Bei uns hat sich die Welt weiter entwickelt. Erst da, wo Raumsonden in den Äther geschickt werden, wird die Technik zur Religion, die Frau zu Gleichberechtigten und der Mensch zum Gott, der die Natur beherrscht. Doch der MenschenGott beherrscht die Welt nur, bis bemerkt wird, dass ihm  zeitweise der Überblick fehlt und er das Beherrschen nicht so beherrscht. Der größte Irrtum des sich selbst überschätzenden MenschenGottes ist, dass seine eigene Logik anwendbar für die ganze Welt ist. In Deutschland bekommen sich ja schon Bayern mit Preußen in die Wolle und die stammen aus ein und demselben Land. Preußen sind alle nördlich der Donau, was Schwaben, Nordrheinwestphalen,  Niedersachsen ebenso wundert, wie die Preußen selbst. Reden wir über Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West, wird es noch komplizierter. Und fremde Deutsche, die nicht mal wissen, dass das Oktoberfest die Wies’n ist und nicht das Oktoberfest, können mit solch einem  Faux pas Bierkrüge zum fliegen bringen. Sollte jemand dann noch wagen, die Wies’n als Wiese zu bezeichnen, fliegt die Brezn gleich hinterher. Und Nein! Es ist nicht die Brezel sondern die Brez’n, Hagott Sakrament no amoi! Deppenhaufn! In Bayern mit den Bayern gegen die Preußen in Preußen und im Westen gegen den Osten im Osten. Und alle hauen sich gegenseitig auf den Kopp – Schädl hoaß des auf boarisch. Depp! Deutsche Leitkultur dot com.

Lieschen Müller ist keine Cosmopolitin

Alle Menschen haben die gleichen Rechte, aber nicht alle haben die gleichen Bedürfnisse. Die Unterschiede und die extreme Komplexität der Kommunikationsprobleme der verschiedenen Mentalitäten untereinander wird in unseren gutmenschlichen, teils sehr naiven Breitengranden völlig unterschätzt. Das schafft soziale Spannungen. Woher Tolernz nehmen, wenn jemand keine Erfahrungen hat? Lieschen Müller ist nun mal keine Cosmopolitin, weder in Bayern noch sonst wo, dafür intellektuell überfordert und wütend darob. Die AfD ist keine cosmopolitische und keine intellektuelle Bewegung, sondern der stumpfe Protest der Einfachsten der Einfachen. Bildungsunterschiede sind ebenso spaltend wie Rassenunterschiede. Zwischen den unterschiedlichen Denkwelten liegen Äonen und alleine das beweist schon, das wir in einem Mulitversum und nicht in einem Universum leben. Wir brauchen keine Aliens, um zu wissen, dass andere Galaxien anders kommunizieren. Es reicht die AfD, die, zumindest in mir, grenzenloses Staunen erzeugt. Aber ich glaube auch fest daran, dass nichts umsonst passiert. Für mich ist die AfD ein Symptom einer missbrauchten Nation und vielleicht sollten die, die sich für intellektuell halten, also ich, mal über den eigenen Tellerrand schauen und den Lieschen Müllers Fragen stellen, bis sie diese extraterrestrische Mentalität verstanden haben.

Was wollen und was brauchen diese deutschen! Menschen denn wirklich?
Wer sind sie und wo kommen sie her?
Haben sie gelernt, darüber nachzudenken, was sie wirklich wollen?
Hat ihnen jemand beigebracht, wie man eigenverantwortlich Ziele setzt und diese auch erreicht?
Wissen die Lieschen Müllers, wen sie fragen können, wenn sie nicht weiter wissen?
Haben sie Perspektive?
Fühlen sie sich in ihrer Nationalität, in ihrer Mentalität ernst genommen?
Entsprechen ihre Rechte ihren Bedürfnissen?
Warum haben sie solche Angst zu kurz zu kommen?
Woher kommt die Wut?
Was ist denn überhaupt im Leben dieser Menschen los?
Was ist ihre Mentalität und wie kann ich ihre Sprache lernen, damit ich ihre Bedürfnisse in meine Sprache übersetzen kann?
Auf was legen sie Wert?
 
So oder so ähnlich sind Fragen, die ein Cosmopolit an fremde Nationalitäten stellen würde. Vielleicht müssten wir einsehen, dass wir mit der Überwindung rassistischer Unterschiede bei dem Paralleluniversum AfD anfangen müssten. Für die Mehrheit sind sie wie Fremde im eigenen Land und doch sind sie jetzt in der Regierung. Wenn ich einem Herrn Gauland zuhöre, bemerke ich recht schnell meinen hochemotionalen Widerstand gegen die Vorstellung, mich mit so einem Rüpel unterhalten zu müssen.
Aber ja, so oder so ähnlich fühlt sich Rassismus an.

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