Leben in der Matrix

von Tina Wiegand

Matrix und Welt-Bild

Das Unbewusste ist eine Schatzkiste. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass die Vergangenheit einfach vorbeigezogen ist und nichts hinterlassen hat. Jeder Moment Ihrer Kindheit, beginnend mit dem Moment Ihrer Zeugung, bis zur Pubertät, ist unbewusst gespeichert. Wie ein Prägestempel hat die Vergangenheit Ihr Welt-Bild geprägt. Das Welt-Bild ist eine Ansammlung von Mustern, das sich wie eine Matrix, eine innere Landkarte, wie eine Schablone vor Ihre Wahrnehmung schiebt. Alles, was Sie erleben, wird nach bestimmten Kriterien geordnet und ergibt so Ihre Realität. Jede einzelne Minute, jedes Erlebnis Ihrer Kindheit ist wie ein Pixel in dieser Matrix vorhanden. Manche Erlebnisse sind emotional stärker besetzt als andere. Sie sind als „heller leuchtende Pixel“ abgespeichert und haben daher mehr Einfluss auf das emotionale Bild, das Sie sich von der Welt gemacht haben. Manche Erlebnisse wurden mehrfach wiederholt und bekamen so eine stärkere Gewichtung. Ihre Bewertung der heutigen Erlebnisse, die Frage, welchen Weg Ihr Leben nimmt, wie Sie sich verhalten, was Sie wahrnehmen – alles interagiert mit Ihrer inneren Matrix, die nur bestimmte Aspekte der Gesamtrealität herausfiltert.

Zeit der Prägung – ein hypnotischer Zustand

Wie jeder Mensch haben auch Sie Ihre ganz eigene Matrix und sie besteht nicht aus rationalen Worten und Zusammenhängen, sondern aus Bildern und Emotionen. Diese haben Sie bereits in einer Zeit zusammengetragen, als Sie noch in einer nonverbalen, frühkindlichen Hypnose lebten. Die Prägungen begannen mit dem Moment Ihrer Zeugung und hatten besonderes Gewicht in der Zeit bis etwa zu Ihrem 8. Lebensjahr. Entsprechend Ihrer verschiedenen Lebensstationen wurden Ihre bewussten und unbewussten Überzeugungen über sich und die Welt durch Erlebnisse geprägt. Diese Überzeugungen wurden in den folgenden Jahren bis zur Pubertät überprüft, rückbestätigt oder durch neue, positive Erlebnisse korrigiert. Überlagert vom Erwachsenenleben und seinen Anforderungen, trat dieses Gebilde aus Überzeugungen als Matrix ins Unbewusste zurück und steuert bis heute Ihr tägliches Erleben. Die In-Formationen Ihres Lebens prägten die Matrix wie eine Münze und gaben ihr eine spezifische Form. Diese In-Formationen über die einzelnen Prägungsphasen, beginnend bei den Umständen Ihrer Zeugung, der Schwangerschaft und der Geburt, können Sie abrufen. Wie das geht, werde ich später bei den „Explorationen“ erklären.

Wirkung der Matrix

Über die Matrix, die Bilder der internalisierten Eltern und Bezugspersonen, und die Erlebnisse mit ihnen, lebt die Vergangenheit in Ihnen auf der emotionalen Ebene weiter. Man kann sich das so vorstellen, als wäre den Augen eine innere Schablone vorgeschaltet und alle Wahrnehmung, alle Bewertung und alle Entscheidungen durchlaufen diesen Filter. Aber die Matrix unterscheidet sich von einer Schablone dadurch, dass sie nicht visuell, sondern emotional ist. Das Bekannte kommt bis in die Wahrnehmungszentren, das Unbekannte wird abgewehrt, ebenso wie das Unerträgliche.

Auch, wenn jeder Mensch entsprechend seiner Erziehung mehr oder weniger gesamtgesellschaftlichen Zwängen ausgeliefert ist, so hat das Geschehen doch nur wenig mit dem Film „die Matrix“ zu tun. Es kann sich aber so anfühlen. Damit Sie sich die psychologische Wirkung der Matrix besser vorstellen können, versuche ich, mit Bildern zu erklären, wie unterschiedliche Matrixmuster unterschiedliches Realitätserleben nach sich ziehen können. So ähnlich kann man sich die Entstehung der verschiedenen Lebensgeschichten vorstellen:

Vergleichen Sie die beiden Bilder:

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Bild aus dem Film „die Matrix“
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http://www.oml.pt/category/tech

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Mensch mit einem inneren (Welt-)Bild wie dem linken, wird ein Cosmopolit sein, der vielleicht Sprachen spricht und die vielen verschiedenen Facetten der Welt zu sehen bekommt. Er denkt global, denn er hat die Matrix der ganzen Welt wie eine Blaupause in sich gespeichert. Der andere, mit dem Motiv aus dem Film „die Matrix“ , kann sich hingegen kaum vorstellen kann, dass es außerhalb der Straße, in der er lebt, für ihn noch eine andere Welt gibt. Aus den ihn umgebenden Reizen filtert er, gemäß seiner Matrix, immer nur die Reize heraus, die immer die gleiche Straße hinunter führen. Er glaubt vielleicht, gefangen zu sein. Mag sein, dass die limitierenden Wände seines inneren Welt-Bildes aus Schockerlebnissen und Ängsten bestehen. Aber wenn er die Grenzen seiner Realität nicht übertritt, wird er das nie erfahren. (Ein schönes Beispiel zu dem Thema ist das Buch „Der Delphin – Geschichte eines Träumers“ von Sergio Bambaren)

Mathew Sleep

 

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Pinterest

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemäss der Erlebnisse eines anderen, vielleicht misshandelten Menschen, könnte der Ein-Druck entstanden sein, die Welt bestünde aus dunklen Bedrohungen, wie hier oben links. Er wird sich möglicherweise sehr defensiv verhalten und sich bewaffnen, um zu überleben. Er lebt in Angst und Schrecken oder in knallharter Aggression, denn er betrachtet alles, was er sieht, durch sein individuelles Horror-Welt-Bild. Alles, was ihn umgibt, wird er aus seinen emotionalen Impulsen heraus in dieser Form deuten und sich immer wieder bestätigen, dass er mit seinem Misstrauen Recht hat. Vielleicht wird so ein Mensch immer gewalttätiger oder eben immer ängstlicher. Vollkommen anders jemand mit der rechten Matrix. Hier sind Genuss und Wohlbefinden ein natürlicher Bestandteil des Erlebens und entspanntes Dasein in Sicherheit „normal“, also oft erlebt. Die Matrix beinhaltet die Formel, nach der unser Gehirn unsere Realität, alles, was wir erleben oder eben nicht, berechnet.

Prägung engt ein

In dem Film „Die Matrix“ wird ein beklemmendes Bild von Manipulation und Einschränkung der Freiheit durch eine von außen eingesteuerte Matrix beschrieben. Tatsächlich kann es sein, dass sich Menschen so von außen beeinflusst fühlen. Gesellschaftliche Bewegungen haben zwar einen Einfluss, aber die beklemmenden Gefühle dazu sind in der Regel Wiederholungen von Kindheitsgefühlen. Nicht jeder reagiert gleich auf gesellschaftliche Zustände. Je mehr beklemmende Einschränkungen die Matrix der Kindheit beinhaltet, umso eingeschränkter wird auch das Leben erlebt. Werden die einengenden Muster nicht aufgelöst, so werden sie mit zunehmendem Alter immer stärker erlebt.

Die Matrix als Ordnung des Chaos

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Hätte Ihre Kindheit und Jugend nicht aus prägenden Erlebnissen bestanden, würde eine Matrix vielleicht etwa so aussehen. Wäre das eine Realität, in der alles möglich ist, in der nichts durch Vorprägung vorbestimmt ist und wir glücklich und uneingeschränkt leben können? Theoretisch ja. Praktisch wäre die Realität eine Art „Rauschen“ aller Möglichkeiten, aber in Form eines überwältigenden, ungeordneten Chaos. Wir könnten es nicht bewältigen, denn wir hätten keine Form, mit der wir aus der Gesamtheit unseren Teil „herausschneiden“ könnten. Kinder, die ungeprägt, also in Verwahrlosung aufwachsen und die Prägung der Sprache nicht erhalten, können nicht überleben. Erkrankungen wie Hospitalismus geben Aufschluss darüber. Prägungen sind also notwendig, damit Sie nicht alle 60.000 Reize pro Sekunde wahrnehmen müssen, sondern höchstens sieben aus dem Gesamtrauschen herausfiltern können. Wäre das nicht der Fall, würden Sie unter einer unerträglichen Reizüberflutung leiden. Gewisse Prägungen sind also notwendig, aber wie kommt man aus der Einengung heraus? Im Film steigt der Held durch Bewusstmachung aus der Matrix aus und so ähnlich ist das im richtigen Leben auch. Der Weg zum Ausstieg aus unerwünschten Mustern ist der Weg der Reflexion.

Gibt es einen Weg, die Matrix ohne Reflexion aufzulösen?

Bewusstseinserweiternde Drogen lösen die Einschränkungen durch die innere Matrix auf. Es gibt auch in neuerer Zeit dazu wieder Forschungen. Doch wenn wir unser normales Bewusstsein wieder annehmen, greift die Matrix des Alltagserlebens wieder. Vielleicht haben wir eine neue Erfahrung gemacht und manche halten diese Erfahrungen für sehr positiv. Doch, wie allgemein bekannt, droht hier die Gefahr von Sucht, ebenso wie der Horrortrip. Es ist sinnvoller, an der Verbesserung des Alltagsleben zu arbeiten und langsam in die Veränderung hineinzuwachsen, als sich plötzlich in einer Realität wiederzufinden, auf die man nicht vorbereitet ist. Aber wie arbeitet man an der Verbesserung des Alltages? Als erstes beginnen Sie überhaupt in Erwägung zu ziehen, dass das geht und zwar indem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die inneren Prozesse lenken. Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre Matrix zeichnen. Welches Bild käme dabei heraus?

Ist das Leben also gar nicht vorbestimmt, sondern alles selbstgemacht?

Sie verstehen also jetzt, dass eine Matrix nicht nur in Form moderner, digitaler Arbeitsplattformen im Außen existiert, sondern auch in Ihrem Inneren. Wenn Sie also die Frage gestellt haben, ob nun alles vorbestimmt ist oder vom Menschen gestaltet wird, dann können Sie diese Frage mit „sowohl als auch“ beantworten. Die Prägungen, die Sie nicht bewusst verändern, sind wie Programme, die dafür sorgen, dass diese Bereiche in Ihrem Leben wie auf Schienen laufen, entsprechend der internalisierten, emotionalen Form. Je größer Ihre Selbstbewusstheit und Kenntnis der Matrix, bzw. um Ihre Prägungen ist, umso klarer können Sie die Vorgänge in Ihrem Leben sehen und verstehen – respektive auch beeinflussen. Allerdings stellt sich die berechtigte Frage, wie weit die Veränderung gehen sollte. Aber auch dazu später mehr.

Wiederholungszwang als Programm der Matrix

Jeder Mensch freut sich, wenn positive Annahmen sich bestätigen und er sich „im Recht“ findet. In negativen Bereichen Recht haben zu wollen, ist jedoch oft gleichzusetzen mit Rechthaberei. Je mehr Sie in negativen Zusammenhängen Recht haben wollen, um so größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Ihrer Matrix verfangen sind. Das bedeutet, Sie befinden sich in einer Wahrnehmungsschleife, die immer zum gleichen negativen Ergebnis führt. Wenn Sie in dieser Wahrnehmungsschleife verhaftet sind, können Sie mögliche Lösungsansätze nicht erkennen bzw. wehren sie ab. Wenn das negative Weltbild bestätigt wird, reagiert der Mensch jedoch betrübt. Betrachten Sie das Wort be-trübt. Es ist etwas trübe – etwa die trübe Aussicht oder aber der trübe Blick. Wenn etwas getrübt ist, dann ist es nicht klar. Beobachten Sie ein Kind, wenn es plötzlich etwas Neues kann. Die Augen öffnen sich und es beginnt zu strahlen. Ähnlich reagiert ein Mensch, wenn er einen negativen Mechanismus in seinem Inneren überwunden hat. Wenn die Dinge klar werden, dann strahlen Sie auch. Sollten Sie also betrübt sein, begeben Sie sich auf die Suche nach den inneren Mustern und Programmen, damit Sie den Weg zum Strahlen wieder finden. Beginnen Sie damit, nach Ihrem eigenen Beitrag zur Wiederholung des ewig Gleichen zu suchen. Aber bitte ohne sich auszuschimpfen – das ist kontraproduktiv.

Wie nimmt der Mensch Einfluss auf seine Matrix?

Es ist ein großer Unterschied, ob Sie über Ihre Prägung nachdenken, sie identifizieren und auflösen oder ob Sie sich als Opfer des Schicksals, respektive Ihrer Matrix erleben. Die Matrix ist wie die Software in Ihrem inneren Computer und die Realität ein Ergebnis der Rechenleistung, nach den Algorhytmen Ihrer Kindheit. Je nach Stärke der Fixierung kann die Welt sehr eng werden, während andere diese Mauern gar nicht wahrnehmen. Veränderung im Leben kann dann stattfinden, wenn Sie zum Gestalter Ihres eigenen Unbewussten werden. Um das zu tun, müssen Sie jedoch wissen, welche Aspekte Ihre Matrix geprägt haben. Dabei hilft Ihnen der Wiegandsche Lotus, der Stück für Stück hier erklärt werden soll.

Der eigene Wille

Welche Rolle spielt der eigene Wille im Leben vor dem Hintergrund der Matrix? Bewusst lebende Menschen wollen sein, unbewusst lebende Menschen wollen haben. Das, was Ihrem wahren Wesen entspricht, ist in Ihrem Leben wesen-tlich. Je bewusster Sie sich Ihrer Prägungen werden, um so mehr stellt sich die Frage, was im Leben speziell für Sie wesen-tlich ist. Diese Frage entspricht eher dem Interesse des Selbst als dem des Egos. Das Wort „Selbst“ wird in verschiedenen psychologischen Richtungen unterschiedlich definiert. Hier ist das Selbst als der Teil von uns gemeint, der die Möglichkeit einer optimalen Entwicklung beinhaltet. Während das Ego die größtmögliche Bequemlichkeit, Befriedigung der Triebe und „Himbeereis zum Frühstück“ anstrebt, will das Selbst die Selbst-Werdung, die Selbst-Verwirklichung, die Selbst-Bewusstheit, also die Verwirklichung des Menschen als großartiges, geistiges, über sich hinauswachsendes Lebewesen. Das beinhaltet die bewusste Matrixgestaltung.

Wille des Ego versus Wille des Selbst

Diese beiden Arten des Wollens, das Wollen des Egos und das Wollen des Selbst sind in jedem Menschen vorhanden und sie liegen oft im Widerstreit miteinander. Als Beispiel kennt jeder eine typische Situation der Jugend: tanzen gehen und feiern (sofortige Befriedigung) oder für die anstehende Prüfung büffeln (langfristiges Planen des Stärker werdens). Zwischen Hallodri und Streber gibt es die gesamte Bandbreite des Daseins und die Wahl ist immer freiwillig. Zu diesem Thema des Wollens, das zum (Lebens-)erfolg führt hier der Marshmellow-Versuch: https://www.youtube.com/watch?v=Y7kjsb7iyms

Wille und Schicksal

Gemäss dem Satz: „den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es hinter sich her“, versucht das Selbst zu intervenieren, wenn das Ego einen zu großen Anteil hat. Menschen, die Schicksalsschläge mit Reflexion beantworten und ihr Blickfeld erweitern, können die Schläge besser verarbeiten, lotuszeit-winter-2als diejenigen, die in der Beschwerde verhaftet bleiben. Die Prägungen zu kennen ist also die Grundvoraussetzung dafür, eines Tages die Matrix verändern zu können. Aber auch dazu später mehr.

Der Wiegandsche Lotus

Damit Sie Ihre Prägungen besser verstehen können und eine Orientierungshilfe haben, wenn Sie sich auf den Weg zu sich selbst machen, habe ich den „Wiegandschen Lotus“ für Sie entwickelt. Als Vorausschau auf das „Lotusbuch“, das noch in Arbeit ist, ist vorab die „Lotuszeit“ erschienen. 60 ausdrucksstarke Motivkarten symbolisieren 60 Arbeitsfelder, die auf spannende Übungen hinweisen und viele Fragen enthalten, die sich die meisten Menschen noch nie gestellt haben. Wer sich und anderen ein Stück wertvolle Weisheit zu Weihnachten schenken möchte, ist mit dem hilfreichen Übungsbuch und den Motivkarten gut beraten.

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Gemütlich bei einem Cappuchino kann man als nächstes die Lotuszeit live auf dem Haderner Christkindlmarkt am 3./4.12.2016 kennenlernen.

 

 

 

 

 

Ich werde Teile des Wiegandschen Lotus nach und nach in diesem Blog erklären. Wer sich eine Einführung in die Reflexionsarbeit gönnen möchte, kann mich zu den „Lotus-Lounges“ befragen, die in den nächsten Monaten in ganz Deutschland stattfinden werden.

Weiter gehts im nächsten Blog mit dem „Kind-Lotus“, der Einblick in die wesentlichen prägenden Faktoren unseres Lebens gibt. Ich freue mich, wenn Sie wieder vorbei schauen.

 

 

2 Kommentare

  1. Beeindruckend!

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